Presse

Ansgar Specht im Jazzclub: Das Lächeln auf seinem Gesicht verschwindet auch dann nicht, wenn er sich mit seiner Gitarre durch rasend schnelle Läufe und Akkordwechsel bewegt.

Spechts Lächeln

Die Bühne des Jazz Club Minden ist für Ansgar Specht wie ein zweites Zuhause. Einmal im Monat leitet der Gitarrist aus Harsewinkel dort die Jam Sessions. Immer mal wieder gibt er mit seinen eigenen Bands Konzerte, gerade erst drei Wochen zuvor war er mit „Bossa Cafe” zu Gast. An diesem Abend aber wirkt er gelöst wie selten. Immer wieder huscht ihm ein Lächeln übers Gesicht. Die Musik, die er diesmal mitgebracht hat, mit genau dieser Band zu spielen, macht Ansgar Specht ganz offensichtlich großen Spaß. Und das wiederum überträgt sich ohne Umschweife aufs Publikum.

Es sind persönliche Lieblingssongs wie der „Road Song” von Wes Montgomery – ,,einer meiner Helden”, wie er sagt -, die Ansgar Specht zusammen mit dem Harnmondorganisten John Hondorp und dem Schlagzeuger Markus Strothmann für sein jüngstes Album eingespielt hat. ,,Some Favourite Songs” heißt es, und Lieblingssongs stehen auch im Mittelpunkt des Konzertes mit dem Tenorsaxofonisten Volker Wink als viertem im Bunde. Der „Road Song” wurde umarrangiert und auf die „Harnmond Jazz Collective” – so nennt sich Ansgar Spechts neue Band – zugeschnitten. Ansgar Specht eifert seinem Helden nicht nach und auch genauso wenig dem Gitarristen Pat Martino, dessen temporeiche Komposition „Lean Years” den Fingern des Harsewinklers einiges abverlangt. Er hat seinen eigenen Sound und den scheint er in eben dieser Band-Besetzung und mit einem Programm aus dem Standardrepertoire des Jazz besonders entfalten zu können.

John Hondorp und Markus Strothmann sorgen für die groovende Basis, druckvoll, akzentuiert, souverän. Volker Wink am Tenorsaxofon entpuppt sich als perfekter Partner. Keine Tonfolge ist ihm zu schnell, keine noch so vertrackten Improvisationslinien, die er nicht bravourös meistern würde. Die Band wirkt wie aus einem Guss. Ob das knackig nach vorne treibende „Let the cat out” von John Scofield oder das gefühlvolle „Estate”, ein Bossa Nova von 1960 aus der Feder des Italieners Bruno Martino: Der Hamburger Markus Strothmann sorgt am Drumset immer für den richtigen Drive. Meist vorzüglich kraftvoll und energiegeladen kann er sich im richtigen Moment aber auch zurücknehmen und mit sanfter Besenarbeit begleiten. Von ihm stammt auch eine der wenigen Eigenkompositionen an diesem Abend. ,,Leave” kommt mit wuchtigen Orgelklängen daher, die Ansgar Specht mit seinem warmen und weichen Gitarrensound auflöst.

Mit schönen Grooves unterlegt entwickelt sich Roy Hargroves „Straßbourg/ St. Denis” zu einem Fest für Liebhaber funkiger Töne dank eingängig rhythmischer Gitarre und des herrlich druckvoll nach vorne gespielten Tenorsaxofons. Auf welch hochklassigem Niveau sich das Quartett bewegt, wird den begeisterten Zuhörern am Ende eines mit Spielfreude und Spielwitz gespickten Konzertes besonders eindrucksvoll vor Ohren geführt. ,,Es geht um Fußball”, sagt Markus Strothmann, ,,da muss ich schneller spielen.” Und dann legt er ein Tempo vor, das es in sich hat. In schwindelerregendem Tempo rasen die vier Musiker durch „Futebol”, eine moderne und anspruchsvolle Komposition des belgischen Jazz-Gitarristen Jeanfrancois Prins. Großartig – denkt wohl auch das Publikum und ruft begeistert applaudierend nach einer Zugabe, die es mit einer eigenen Version von „Sunny” auch erhält. Die Komposition „Futebol” sorgt für ein schwindelerregend temporeiches Finale.

Mindener Tageblatt, 06.02.2017
Text und Foto: Kerstin Rickert
Link zum Artikel

Jazz Podium Portrait: “Arbeitet thematisch, spielt weniger Soli, setzt auf die Ästhetik des Tons: Ansgar Specht”

„Irgendwo“ zwischen – und dann Wörtergeklingel von „dancetauglichen Beats“, „spacigen Klangcollagen“, „Nu Jazz“, „Lounge“ und „Easy Listening“: Das gehörte von 2003 an zu der Welt des Gitarristen Ansgar Specht. Und nun die Kurskorrektur. Denn dank seiner neuen CD „Some Favorite Songs“ schrumpft das Fachchinesich von gestern zu einem einzigen Wort für heute und morgen. Gestatten: Ansgar Specht, Jazzgitarrist.

„Großraum Bielefeld, Kreis Gütersloh, zwischen Bielefeld und Münster“ beschreibt Ansgar Specht seine Region, „ein guter Standort, um da als Jazzmusiker zu leben“. Man ist schnell abrufbereit, schnell in Bremen, Hamburg, Hannover. Im Herbst hat er Termine in Lübeck, Flensburg, Gigs mit dem Hammondorgel-Trio. Mitkommen wird seine neue CD, „Some Favorite Songs“. Die hatten wir gelobt wie die reumütige Rückkehr eines für den Jazz verloren geglaubten Sohnes. In Flensburg wird Joe Dinkelbach an der Orgel sitzen, in Lübeck John Hondorp. Ansgar Specht, der Gitarrist, ist auf dem Hammondorgel-Trip. Ansonsten läuft’s auch gut für den Harsewinkler. Er erwähnt „Smart Groove“ und die Fusion-Band, „und dann mache ich ja auch die Jazzsession im Mindener JazzClub“. Und das Gitarren-Duo mit Jörg Fleer. Die Gesamtlage ist also „eigentlich okay“.

„Wenn ich nach Hause komme“, meint er, „ist immer Jazz im Haus“, dank der Mutter, 81, die noch unlängst im Kirchenchor sang und sich nebenher in „allen regionalen Jazzsendern“ bestens auskennt. Der Filius ist 14, 15, als sein älterer Bruder sich eine Gitarre zulegt, die der nie spielen wird. Mit ihr kommt das „Virus Gitarrespielen und Musikmachen“. Dann will er sich in Gütersloh bei der Kreismusikschule anmelden, um klassische Gitarre spielen zu lernen, aber da ist kein Platz mehr frei. Also „pusselt“ er weiter vor sich hin, zwei Jahre, dann entdeckt er, dass in Gütersloh der im nahen Rheda-Wiedenbrück lebende französische Gitarrist Philippe Caillat einen Unterrichtsraum hat. Ansgar ist 18, 19, als er für viele Jahre Caillats Schüler wird und sein Lehrer „sofort merkte, dass die Klassik eventuell nicht das Richtige für mich wäre.“ Der Rock’n’Roll „kam später, immer mal so zwischendurch, da hatte ich so eine Phase. Da gab’s hier im Harsewinkler Umland diverse Bands. Meine Freunde, die machten eigentlich alle Musik“.

Caillat bringt den Schüler „ein bisschen von der Klassik weg“, auch, „weil er irgendwas an meiner Handhaltung auszusetzen“ hat, wofür er ihm noch heute dankbar ist, und just in diese Zeit fällt, dass er das Gitarren-Trio von John McLaughlin, Paco de Lucia und noch dem „damals zu Unrecht gescholtenen Larry Coryell“ hört – eine „Initialzündung“. Er erlebt Larry in der Halle Münsterland und sieht später im jazzfreudigen Gütersloher Jugendzentrum, wie sein Star über einer gerissenen Saite die Fassung verliert. „Aber nach vorne gedacht, ist Larry Coryell auf jeden Fall einer der meistunterschätzten Gitarristen.“

Dann schickt Caillat ihn hinaus ins Leben: „Du weißt alles; jetzt machst du alleine weiter.“ Er spielt in etlichen Bands und aus finanziellen Gründen jahrelang Tanzmusik, „eine wertvolle Erfahrung für die Bühnenroutine“, und macht „ganz viel Künstlerbegleitung und das heißt: Noten auf den Tisch, kurze Probe, spielen.“ Man lernt „diverse Charaktere“ von Musikern kennen. „Und manchmal kam ich da schon an meine Grenzen.“ Die Band auch; sie löst sich auf. Ansgar spielt „Aushilfen“ in Tanzbands,„und ich habe hier und da versucht, in diese Bands auch mal etwas anspruchsvollere Sachen hineinzubringen, z. B. wenn man zum Essen spielte, dass man da mal einen Jazzstandard der einen Bossa Nova eingeworfen hat. Und das kam eigentlich immer ganz nett an.“ Und zwischendurch sammelt er Erfahrungen in Big Bands.

Die Zeit ist reif für erste eigene Bands. Und eine Bewerbung an der Hamburger Musikhochschule. Fürs Vorspiel an der Alster stellt er eine Band zusammen, „einen echt guten Haufen“. Um elf sollen sie dort sein, furchtbarstes Glatteis erzwingt eine beträchtliche Verspätung, und leider ist auch der Gitarrendozent nicht da, auf den er besonders gehofft hatte: Peter O’Mara. Und da sitzen sie, der Drummer Wolfgang Eckholt, Rainer Schnelle, Detlev Baier, „und wir kamen da als Band rein und haben unser Programm gespielt, nicht gerade ‚Autumn leaves’, sondern schon ein bisschen was Anspruchsvolleres, was Modales dabei. Obwohl ich eigentlich mit mir nie zufrieden bin, fand ich das okay. Ich habe dann drei Tage später angerufen, nein, Herr Specht, ich muss Ihnen leider mitteilen… Der Peter hätte das vielleicht ein bisschen anders gesehen. Meine Spielweise. Ich spiele ja jetzt auch nicht wie ein richtig studierter Gitarrist.“ Und „im Nachhinein fand ich das dann auch okay. Ich war nicht begeistert, aber ich habe mir gesagt: jetzt erst recht! Ich habe echt Gas gegeben, und ich bin echt ein Übe-Schwein. Ich hab immer tierisch geübt…“

Und immer viel gehört. „Pat Martino habe ich gehört, da war ich Anfang 20, und das erste Stück war ‚Impressions‘ von 1974, und ich konnte einfach nicht glauben, dass jemand so spielen konnte. Und ich sofort zu Philippe Caillat, was macht der da, das müssen wir machen, das muss doch gehen, irgendwie! Aber ich weiß auch: Das ist nicht zu erreichen.“ Durch Barry Finnerty stößt er auf „das verrückte In-/OutSpiel“, das ihn noch immer fasziniert. „Wir Gitarristen haben nun mal nicht so einen Ton, so ein Spektrum wie eine Trompete oder ein Saxophon. Und mich fragen die Leute auch: Mensch, warum spielst du immer so viel?! Ich habe auch viel George Benson gehört. Und dann sage ich: Also, George Benson, dem haben sie diese Frage auch mal gestellt, und der hat geantwortet: „Also, ich habe ‘ne Gitarre; ich habe einen kurzen Ton; ich habe keinen Verzerrer, der den Ton lang macht. Das Ergebnis sind also viele Töne. Und so versuche ich das den Leuten auch ein bisschen beizubringen. Ich arbeite auch mit ganz wenig Effekten, aber ich gucke schon, dass ich den Jazzgitarrenton doch noch transportiere.“

Die Band macht weiter, „und eine Woche später habe ich den Detlev Baier getroffen im Bunker in Bielefeld. Der erkannte mich sofort. Ich habe ihn gefragt, warum sie mich nicht genommen hätten. Du hast gar nicht schlecht gespielt, sagt er. Es lag einfach daran, dass dich die Leute nicht kannten. Wenn du mal im [SoBi-]Sommerkurs bist, dann kennen die dich, und dann bewirbst du dich halt noch mal. Habe ich natürlich nicht gemacht. Ich habe stattdessen versucht, mich weiter so durchzuschlagen und immer viel geübt. Drei, vier Stunden waren schon die Untergrenze. Ich habe das ein bisschen reduziert, immer noch viel, aber diese langen [Übe-]Sessions mache ich halt nicht mehr. Damit es einfach ein bisschen mehr lebt. Ich habe ja teilweise überhaupt nicht mehr richtig gelebt, immer nur geübt und Konzerte besucht. Das mache ich auch immer noch. Ich lebe glücklicherweise in einer Region, in der ich nicht weit fahren muss, um hochklassige Leute zu sehen. Wir haben wie gesagt den JazzClub Minden, und der Matthias Niemann, der Chef von dem Laden, der hat wirklich ein Programm – ich denke, der gehört zu den besten Europas. Und da leite ich einmal im Monat die Jazz Session. Das läuft super, und das hat der Band [Smart Groove] auch total gut getan. Wir spielen da alles von Bebop über George Benson, ein bisschen Standards, alles so bunt gemischt.“

Um 2000 herum hält der Computer Einzug. „Ich habe dann echt Vollgas gegeben und fast nur vorm Computer gesessen und Stücke geschrieben, und dabei kamen dann eben fünf CDs heraus, die sehr unterschiedliche Reaktionen auslösten…Ich habe mich isoliert und gearbeitet und hatte auch mal Gastmusiker hier. Aber was mein Timing betrifft, da hat der Computer mir schon den Spiegel vorgehalten. Wenn man anderswo ins Studio kam, wo man mal für andere Leute was einspielen musste, da sagten die Techniker sofort: Na, machste Home Recording? Das hö-ren die sofort! Und irgendwann kam ich ins Studio, und da meinte der Techniker: Ansgar, was hast du gemacht?! Ich musste ja gar nichts mehr schneiden!“

„Irgendwo zwischen Lounge, Modern Jazz, Bebop, Fusion und Pop“: So charakterisiert Specht in seiner Website die Zeit seiner Platten bis zu dem 2016er Album „Some Favorite Songs“. „Nachdem ich den letzten Ton von ‚Diversion’ [2009] eingespielt habe, habe’ ich nur noch ein Stück gemacht,“ für die 2014er EP „Hot Coffee“. „Und da ist der Wunsch entstanden, mal Standards zu machen.“ 2003 liefert das Debüt „Electric Jazz Quartet“ mit seiner damaligen Münsteraner Stammgruppe „Free On Board“ das „Grundgerüst für eine Reihe eigener Produktionen“. 2004 kommt „Who Cares“ mit „Nu Jazz“. 2005 bietet „Nu_Bar_Trax“, so in Spechts Website zu lesen, „dancetaugliche Beats, spacige Klangkollagen, die geliebten Fender-Rhodes-E-Pianosounds und warme, volle Jazzgitarrenklänge“. 2006 bietet „On The Move“ eine „aufregende Mélange aus Drum’n’Bass, Nu Jazz, etwas Easy Listening, Jazzgitarren [!], Flügelhorn & Trumpet Sounds.“

Nach der 2009er „Diversion“ und den drei Stükken der 2014er EP scheint die Zeit des Hockens zwischen zu vielen Stühlen vorüber. Die Jahre bis zu den aktuellen, größtenteils live eingespielten „Favorite Songs“, Ansgars erstes Album mit Hammondorgel statt Fender-Rhodes, markieren die Zäsur: die Phase, in der Ansgar Specht nur Modisches zu ersetzen beginnt durch allezeit Gültiges – Jazz. „Standards haben mich besonders in den letzten Jahren sehr viel begleitet, auf Sessions oder auch bei vielen Unterhaltungsgeschichten oder auch mal in britischen Kasernen. Ich habe eigentlich immer gerne Standards gespielt.“ Die „Favorite Songs“ des Trios mit Specht, John Hondorp, org und Matthias Strothmann, dr, biete „jetzt eine andere Ästhetik. Sie ist konzeptionell völlig anders, besetzungsmäßig. Aber auch rein musikalisch ist es anders. „Ich habe probiert, mehr thematisch zu arbeiten, weniger Soli zu spielen und mehr auf die Qualität des Tons zu setzen.“ Und insgesamt mehr der klugen Erkenntnis zu folgen, dass Weniger oft mehr ergibt.

Das Projekt, das die aktuelle CD realisiert hat, heißt korrekt [!] „Ansgar Specht feat. The Transitions Organ Duo“. „Das ist jetzt die Hauptsache neben der Smart Groove Geschichte“, die offiziell unter „Ansgar Specht & Smart Groove“ rangiert, mit Toshie Seo, keyb, Axel Senge, sax, Reinhard Glowatzke, b, und Udo Schräder, dr. Dann ist da das Gitarrenduo mit Jörg Fleer. „Ich kenne ihn seit 30 Jahren. Das war zeitweilig eingeschlafen; dann haben wir wieder zusammengefunden.“ Das Sextett „Bossa Café“ betreibt er zusammen mit dem Smart-Groove-Bassisten Glowatzke; es packt Steely Dan, Billy Joel & Co. kunstvoll in Bossa-Gewänder. In Bremen ist schließlich „Reverend Joe“ zu Hause (mit Eckhard Petri, sax, Jens Schöwing, fender piano/organ, Marcello Albrecht, b und Marc Prietzel, dr), eine Band, die Soul Jazz à la Ray Charles und Joe Zawinul pflegt und „zu zehn Prozent gospelig angehaucht“ spielt. Gerade wieder haben Specht und Schöwing im Herforder „Schiller“ gespielt, wo das Musik-Kontor Herford regelmäßig Top-Konzerte veranstaltet, etwa mit Wolfgang Haffner oder Torsten Goods. Ansgar hat dort eine kleine Jazzreihe initiiert, „einmal im Monat immer das gleiche Programm, aber mit immer anderen Besetzungen. Ich versuche, verschiedene Szenen zusammenzubringen, damit die nicht alle nur für sich selber ‘rumpusseln.“

Und – berühmte letzte Worte? „Dass wir alle, die Musik machen, dankbar sein sollen dafür, dass wir diese Möglichkeit überhaupt haben. Dass wir die Kraft haben, weiter dafür zu arbeiten. Dass wir gesund bleiben. Dass wir Mensch bleiben.“ Er erinnert an den gottlob langsam genesenden Andreas Polte („Archtop Germany“), dem er „viel zu verdanken“ habe. Bei Andreas in Bayern traf er Philipp Stauber. Wir reden über Philipps elegantes, reifes Jazzspiel. „Da möchte ich auch hinkommen“, sagt Ansgar Specht, der in den Jazz zurückgefunden hat.

Jazz Podium, Juni 2016 | www.jazzpodium.de
Text: Alexander Schmitz
Link zum Artikel

Jazz’halo CD-Rezension | Ansgar Specht: Some favourite songs

Der aus dem westfälischen Harsewinkel stammende Gitarrist Ansgar Specht wird auf der aktuellen Einspielung von dem niederländischen Hammond B3-Organisten John Hondorp und dem in Hamburg lebenden Schlagzeuger Markus Strothmann begleitet.

Dieses Dreiergespann widmet sich mit dem jüngsten Album im weitesten Sinne selten gespielter Stücke aus dem Great American Songbook. Mit „These are Soulful Days“ (Cal Massey) macht das Album auf, präsentiert „Lean Years“ (Pat Martino) und “Fotografia” (A.C. Jobim), ehe mit “Leave”eine Komposition von Markus Strothmann auf dem Programm steht. Auch eine „Verbeugung“ vor Wes Montgomery findet sich auf dem aktuellen Album. „Lament“, eine Arbeit des Bebop-Posaunisten J. J. Johnson, bildet das Finale. Jazzkenner wissen, das Cal Massey nicht nur ein Jazztrompeter, sondern auch ein politischer Aktivist war, der sich für die Rechte der Afroamerikaner einsetzte. Er spielte mit John Coltrane ebenso wie mit McCoy Tyner. Seine Kompositionen wie „These Are Soulful Days“ wurden von Lee Morgan, „Bakai“ von John Coltrane und „Cry of My People“ von Archie Shepp eingespielt. Pat Azzara in Philadelphia im Jahr 1944 geboren und besser bekannt als Pat Martino ist ebenso wie Ansgar Specht Jazzgitarrist und „steuerte“ für das aktuelle Album sein Werk „Lean Years“ sprich „Magere Jahre“ bei. Überaus bekannt ist der Jazzgitarrist Wes Montgomery, dessen „Road Song“ das Dreigestirn für das Album einspielte. Wes hatte diesen Titel 1968 aufgenommen. In seiner Diskografie finden sich aber auch ein Monk-Stück wie „Round Midnight“ oder “Impressions” (John Coltrane), sprich auch Wes Montgomery stand mit beiden Beinen fest verwurzelt in der Jazzgeschichte. Muss man zu A. C. Jobim noch Worte verlieren? Wer eigentlich kennt dessen „The Girl from Ipanema“ nicht? Wohl jeder kennt diesen Evergreen des brasilianischen Jazz. Doch Ansgar Specht verzichtete bei seinem Album auf derartige „Ohrwürmer“. Stattdessen wählte er seine Lieblingsstücke aus dem umfänglichen Kanon des Jazz aus.

Weich und einschmeichelnd ist der Klang der Gitarre in den Händen von Ansgar Specht, wenn die ersten Takte von „These are Soulful Days“ erklingen. Verhalten und im Hintergrund agiert Markus Strothmann am Schlagwerk, während John Hondorp paraphrasierend auf Angar Specht eingeht. Dabei perlen die auf der Hammond-Orgel angestimmten Klangsequenzen an unser Ohr. In dieses Spiel fällt Ansgar Specht nachdrücklich ein, wenn er das „Vorfeld des Klangraums“ betritt. Mit einer Portion Groove kommt der „Road Song“ daher, ohne dass Ansgar Specht den Spielstil von Wes Montgomery kopiert. Ja, man kann sich bei geschlossenen Augen vorstellen, dass Montgomerys Komposition durchaus für ein Road Movie taugt. Wilde Verfolgungsjagden sind allerdings dabei nicht vorgesehen. Der flockige Klangteppich, über den sich das Gitarrenspiel ausbreitet, wird durch die Hammondorgel geschaffen, die John Hondorp mit Sinn für Timing und Akzentuierung spielt.

Recht flott geht es in „Lean Years“ zu. Wären noch Bläser im Einsatz, könnte man durchaus den Begriff funky ins Feld führen. Vor dem geistigen Auge kann man sich schaukelnde Jollen im Wind vorstellen oder auch Freizeitkapitäne im Tretboot auf der Hamburger Außenalster. Irgendwie verführen die Harmonien des Stücks dazu, an sommerliche Leichtigkeit zu denken.

Denkt man an südamerikanische Musik, dann wohl zumeist an Samba, Son, Salsa oder Tango, aber auch an Bossa nova, insbesondere wenn der Komponist kein Geringerer als A. C. Jobim ist. Fürwahr auch in „Fotografia“ entdeckt man brasilianische Lebensfreunde und Rhythmik, die uns das Trio Specht/Strothmann/Hondorp präsentiert. Eine besondere Klangfarbe steuert dabei John Hondorp mit der Hammondorgel bei, deren vibrierender Klang Grundlage für die Gitarrensequenzen ist, die Ansgar Specht zu verdanken sind.

Irgendwie klingt Markus Strothmanns „Leave“ im übertragenen Sinne nach „Autumn Leaves“, voller Schwermut und Sehnsucht. Zu dieser Stimmung trägt auch Ansgar Specht mit seinem Fingerspiel auf den Gitarrensaiten ganz wesentlich bei. Zum Schluss noch ein Wort zu „Lament“. Nur wer die Aufnahme des J J Johnson & Kai Winding Quintetts gehört hat, bei der die beiden Posaunen sehr dominant sind, wird diese vermissen, hört er die Aufnahme von Ansgar Specht. John Hondorp übernimmt dabei den Part der Posaune ebenso wie Ansgar Specht, die „sich beide in musikalischer Trauer ergehen“. Der Duktus entspricht dabei weitgehend dem Original, auch wenn eine andere Klangpalette vorhanden ist. Ansgar Specht reiht sich mit seiner Veröffentlichung in die Reihe derer ein, die sich um die Roots des Jazz kümmern oder wie der Posaunist Nils Wogram mit seiner Band Root 70 um die „simplen Popsongs der Jazzgeschichte“. Schließlich kommt es darauf an, wie man spielt und nicht unbedingt was.

Jazz’halo, Juni 2016 | www.jazzhalo.be
Autor: Ferdinand Dupuis-Panther
Link zum Artikel

GITARRE & BASS CD-Rezension | Ansgar Specht: Some favourite songs

Der Jazz-Gitarrist aus Harsewinkel hat ja bei mir schon Sympathiepunkte durch die Equipment-Hinweise im CD-Kleingedruckten:

’67 ES-335, Fender Concert Amp II und… Roland JC 50! Letztgenannter heißt zwar mit vollem Namen Jazz-Chorus, ist aber für viele Kollegen des Genres erklärte Höchststrafe, noch vor einem Gig in Guantanamo. Wenn man aber nun aus einem zugegebenermaßen etwas steril agierendem Amp trotzdem einen sehr lebendigen kraftvollen Ton rausholt, spricht das für die Qualitäten des Musikers und seinem Mut zu Individualität.

Begleitet wird der Gitarrist von John Hondorp (org) und Markus Strothmann (dr). Ansgar Specht konnte schon auf früheren Alben überzeugen, das tut er auch hier: mit Fremkompositionen, darunter Titel von A.C. Jobim, Pat Martino, J.J. Johnson und auch Wes Montgomerys “Road Song” ist hier zu hören – so wie ich es noch nie gehört habe. Respekt!

Gitarre und Bass, Ausgabe 06.16
Autor: Lothar Trampert

Nie zu komplex für alltäglichen Musikgenuss

Vier Jazzneuheiten zwischen Meditation, Eleganz, Kühle und Völkerverbindung

Eigentlich komisch, dass es immer noch Musikfans gibt, die behaupten, keinen Jazz zu mögen. Denn dieses Genre ist derart vielfältig, dass sich letztlich (fast) jeder Hörer irgendwo angesprochen fühlen dürfte.

Vier Neuerscheinungen beweisen dies: Den Anfang macht Ansgar Specht. Sein aktuelles Album „Some Favorite Songs“ (DMG Records / Broken Silence) hält, was es im Titel verspricht. Erstmals hat der deutsche Jazzgitarrist keine Eigenkompositionen eingespielt, sondern Standards, denen er selbst hörbar zugetan ist. Dabei handelt es sich jedoch mitnichten um allseits bekannte Genre-Hits.

Stattdessen hat er sich Nummern wie „Road Song“ von Wes Montgomery oder „Lament“ von James Louis „J. J.“ Johnson vorgenommen und sie zurückhaltend, fast meditativ interpretiert. Unterstützt wird er von John Hondorp, Markus Strothmann und Marcus Pread, die seine dann doch wieder sehr freien Soli im Zaum halten.

Fuldaer Zeitung vom 02.04.2016
Autor: Anke Zimmer
PDF zum Artikel

JAZZ PODIUM CD-Rezension | Ansgar Specht: Some favourite songs

2006 schimpften wir sein “On the move”, 2009 hatten wir wg. “Diversion” auch was zu mosern. Sechs Jahre hat es gedauert, bis Ansgar Specht Neues kredenzt, und man höre und staune: Es klingt in den neun (nicht eigenen) Stücken, als hätte der Gütersloher fröhlich den steilen Pfad der Läuterungen gemeistert, weit weg von den Flausen früherer Jahre.

Ansgars Neue ist eine Freude, was nicht nur an der oft bewährten Reinheit seines Gitarrensounds, John Hordorps rundum entwulmter B3 und dem feinen, dezenten Swing von Drummer Markus Strothmann liegt. Sie hört sich an, als hätte sich da jemand von alten Spiel-Sachen getrennt, um sich mehr dem wirklich Wesentlichen zu stellen. Er ist zurück dort, wo er dieserart kompromisslos in all den Jahren noch gar nicht wirklich gewesen ist: im Jazz, im altersresistenten Mainstream.

Es sind sein eleganter Sound und die besonnene, klare, geradlinige Sprache seiner Improvisationen und der feine, dezente Stil, die Behutsamkeit von Hondorp und Strothmann, die sichern, dass Ansgar und die Seinen im Gesamtangebot des g/B3/dr-Formats nicht unter Ferner-liefen landen. Es geht ruhig los mit “These are soulful days”, erste Hälfte für die B3, die zweite für die Gitarre, die soundmäßig nur äußerst selten nach oben ausreißt (“Fotografia”) oder gern auch mal hätte einen Hauch “enthöht” sein können (“Going to a meeting”). “Who can I turn to”, uptempo, wieder halbe-halbe längsgeteilt. beeindruckt mit Ansgars erstklassig gebauter Improv. Die Kunst der Ballade ist in “Estate” und “Lament” zu bewundern; Wes’ “Road song” trifft auf Grant-Green-Sound, in Pat Martinos “Lean years” hopert die Gitarre etwas in den Improv-Chorus; und Tom Jobims “Fotografia” hätte ein paar Gramm mehr Temperament vertragen… Dafür heilen Hondorps Solo und der Spechtsche Grant-Green-Touch die paar Schrämmchen im Programm. Egal: Ansgar Specht ist also wieder da. Und wie!

Jazz Podium, Ausgabe Februar 2016
Autor: Alexander Schmitz


Einfühlsam: Matthias Klause (E-Piano, v. l.), Udo Schräder (Schlagzeug), Michael Wächter (Bass) und Ansgar Specht (Gitarre) unterhielten das Publikum im Schiller. – © Steinert

“Blues Note” startet musikalische Reihe im Schiller

Virtuose Begleiter für einen lässigen Abend

Herford. Der Eintritt ist frei. Deswegen haben sich an diesem Mittwoch nicht nur Musikliebhaber oder Jazz-Freunde in der Schiller Bar-Lounge an der Kurfürstenstraße eingefunden, um einen entspannten Abend zu erleben.

Noch während sich Matthias Klause (E-Piano), Udo Schräder (Schlagzeug), Michael Wächter (Bass) und Ansgar Specht (Gitarre) als Jazz-Formation “Blues Note” finden, ihre Instrumente aufbauen und stimmen, werden leise Vorbehalte laut: “Hoffentlich spielen die nicht so abgedrehtes Zeug.” Als wenn genau das Initiator Ansgar Specht geahnt hätte: “Wir wollen gut verdaulichen Jazz spielen, Bossa Nova sowie Latin- und Pop-Jazz”. Sagt es und verteilt die Notenblätter, bei denen “Beautiful Love” ganz oben liegt.

Ähnlich süß soll es mit “Sugar” weiter gehen und sich in zwei Etappen über jeweils gut 45 Minuten mit Stücken von Chick Corea oder George Benson zum unterhaltsamen Konzert entwickeln. Schnell stellt sich heraus, dass die Musiker aus Harsewinkel, Bielefeld und Münster virtuose Begleiter für einen lässigen Abend sind. Und zugleich Reklame in eigener Sache machen. Denn dieser Auftritt ist der Auftakt einer neuen musikalische Reihe, die ihre Fortsetzung an jedem zweiten Mittwoch des Monats in der Schiller Bar-Lounge an der Kurfürstenstraße finden wird.

Unter dem Logo “Blues Note” haben Schiller-Gastronom Simon Klocke, das Musik Kontor Herford und der Jazzmusiker Ansgar Specht dieses Angebot bei kostenfreiem Eintritt auf den Weg gebracht und ansprechender Jazzmusik in und aus dieser Region in unterschiedlichen Besetzungen einen Weg geebnet.

Die nächste Veranstaltung dieser Art findet am Mittwoch, 9. März, ab 20.30 Uhr statt.

Neue Westfälische (Online) vom 19.02.2016
Autor: Peter Steinert
Link zum Artikel

kontor_herford
Foto: © Thomas Hagen (Neue Westfälische)

Ansgar Specht begeistert beim Musik Kontor

Jazzgitarrist und Band überzeugen durch das Spiel mit verschiedenen Musikstilen

Herford. Ungewöhnliches stand am Samstag auf dem Musik-Kontor-Programm: Bestimmen meist starke Stimmen und soulige Klänge den Sound, kam die Musik im Schiller dieses Mal fast völlig ohne Worte aus. Geschichten erzählten die Sounds trotzdem – dank fabelhafter Musiker, die sich gegenseitig inspirierten und antrieben.

Der Harsewinkeler Jazzgitarrist Ansgar Specht hatte als Unterstützung nicht nur seine Band “Smart Groove”, sondern auch den Lead-Trompeter der NDR-Big-Band, Ingolf Burkhardt, mitgebracht. So führten gleich zwei Blasinstrumente den schwingenden, funkigen Sound an.

Specht ist Vollprofi: Privatstudium beim französischen Fusion- und Modern-Jazz-Gitarristen Philippe Caillat, weitere Studien bei Jazz-Szenegrößen wie Jeff Richman oder Frank Gambale. Dass der Harsewinkeler sein Instrument beherrscht ist also klar. Doch Specht brilliert mit weit mehr als guter Technik – er entlockt seiner Halbresonanzgitarre einen intensiven, bluesigen, durchdringenden, warmen Klang. Specht experimentiert gerne – Funk, Blues, Soul, alles fließt mit ein, die Stücke selbst sind kaum einer Musikrichtung zuzuordnen. Das macht es für die Zuhörer umso spannender – ist umso eingängiger auch für alle Musik-Kontor-Fans, die sonst poppigere Musik gewöhnt sind. Der Jazz rückt immer mal wieder in den Vordergrund, gibt der Band die Möglichkeit, zu zeigen was sie kann, wird aber nie aufdringlich und bestimmend.

Die Musiker sind fast alle aus der Region. Toshie Seo (Keyboard) ist Herforderin, Axel Senge (Saxofon) stammt aus Bad Salzuflen, Reinhard Glowazke (Bass) aus Bielefeld, Udo Schräder (Schlagzeug) aus Münster. Eine eingespielte Combo, ergänzt von Trompeter Ingolf Burkhardt, der trotz Gästestatus eine Säule des Klangs bildet.

Neben vielen eigenen Kompositionen – Ansgar Specht hat sechs Solo-Alben veröffentlicht – stehen einige Cover-Versionen auf der Setlist. Pixel und Hudson von Jeff Lorber, sowie Tribute von Mezzoforte. Besonders schön: “Something I said”, eine jazzige Ballade, komponiert von Trompeter Ingolf Burkhardt, bei der Saxofon und Trompete über dem sanften Bett des getragenen Rhythmuses zu schweben scheinen.

Beim letzten Song vor der Zugabe kommt Wumms auf die Bühne – bei den “High Heel Sneakers” ist dann auch zum ersten Mal die Stimme des NDR-Trompeters zu hören. Und das Publikum tanzt.

Neue Westfälische (Online) vom 01.02.2016
Autor: Christina Römer
Link zum Artikel

nach oben